CO2 – Marktbericht vom 14.12.2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

etwas Historisches ist an diesem Wochenende in Paris erreicht worden: Ein Weltklimaabkommen, welches von allen 195 Staaten gemeinsam angenommen wurde und starke politische und wirtschaftliche Auswirkungen in jedem einzelnen Staat haben wird. Erstmals haben die Regierungen gemeinsam die Chance ergriffen, die Welt zu verändern. Historisch ist dies vor allem deshalb, weil die  Staaten der Welt sonst eigentlich alles andere als an einem Strang ziehen. Einzelstaatliche, religiös oder geopolitisch motivierte Interessen sind so dominierend wie seit Jahrzehnten nicht mehr, und die daraus resultierenden Konflikte fordern unaufhörlich Todesopfer. Aber wie verfeindet oder zumindest unterschiedlicher Meinungen verschiedene Regierungen auch sein mögen, so haben doch alle einen gemeinsamen Feind ausgemacht – eine ungebremste Klimaerwärmung, welche die Welt in ein nicht zu beherrschendes Chaos führen würde.

Wichtig für das Zustandekommen waren fraglos die dramatisch geänderte Haltung der USA sowie die Tatsache, dass das Abkommen hauptsächlich auf Selbstverpflichtungen setzt. Dies wird von einigen natürlich als wesentlicher Schwachpunkt des Vertrages gewertet, doch anders wäre eine solch historische Vereinbarung sicher nicht zustande gekommen. Immerhin enthält das Abkommen starke Regelungen zur fortschreitenden Begutachtung der Effektivität der Maßnahmen. Bereits im Jahr 2018 sollen erstmals die in Paris zugrunde gelegten nationalen Klimaschutzziele erneut analysiert werden, damit diese möglichst bis 2020 angepasst werden können. 2023 sollen dann die nationalen Emissionsziele und weitere Punkte des Abkommens erstmals offiziell bewertet und nötigenfalls nachjustiert werden. Danach soll dies regelmäßig alle fünf Jahre geschehen. Obwohl das Abkommen von Paris keine Sanktionen vorsieht, wurde dennoch ein dynamischer Prozess beschlossen, welcher sich den tatsächlichen Gegebenheiten anpassen kann und durch welchen der politische Druck auf die einzelnen Länder stärker wird, als es im Moment den Anschein haben mag. In jedem Fall sind nun die Weichen für eine weltweite Energiewende gestellt worden, was dazu führen muss, dass neben den Regierungen auch die internationalen Märkte und Investoren die gleichen Weichenstellungen so schnell wie möglich nachvollziehen.

Ähnlich spektakulär wie das Ergebnis von Paris war die unerwartete Preiskorrektur bei den Emissionszertifikaten am vergangenen Freitag. Nachdem sich der Kurs während der Woche nur leicht geschwächt zeigte, durchbrach er am Freitag einen starken technischen Widerstand. Die hierdurch ausgelösten automatischen Verkäufe stürzten den Preis für den Dezemberkontrakt 2015 sogar unter die Acht-Euro-Marke. Dieser läuft mit dem heutigen Tag aus, worauf nun der Dezember 2016 zur neuen Benchmark wird. In dieser Woche endet auch der Auktionskalender für 2015 und es bleibt abzuwarten, wie der Markt sich in den nächsten Tagen positioniert.

Eine vergleichbar starke Zäsur war auch beim Rohöl zu verzeichnen. Am späten Freitagabend hatte der US-Ölpreis den tiefsten Stand seit Anfang 2009 erreicht, während der Brent-Preis sogar auf den tiefsten Stand seit Ende 2008 gefallen war. Der wichtigste Grund für die anhaltende Talfahrt ist nach wie vor das große überschüssige Angebot als Folge des Preiskampfs zwischen der OPEC und den USA.

 

 

(Durchschnittliche Börsenkurse / OTC)
Instrument 11.12.15 04.12.15 Veränderung
EUA (Spotmarkt) 8,07 EUR 8,52 EUR -0,45 EUR
EUA (Dezember-2015-Future) 8,07 EUR 8,52 EUR -0,45 EUR
CER (Spotmarkt) 0,52 EUR 0,59 EUR -0,07 EUR
ICE Brent Crude Oil (Benchmark Future) 38,29 USD 43,00 USD -4,71 USD
EURO (Currency, Forex) 1,0995 USD 1,0881 USD +0,0114 USD

(Die durchschnittlichen Börsenkurse und OTC-Preise zeigen das jeweilige Mittel von Angebot und Nachfrage verschiedener Handelsplätze für CO2-Emissionsrechte. Bid und Ask weichen üblicherweise mehrere Cent vom Mittelwert ab. Rohöl und Euro zeigen Börsenschlusskurse. Bei den CER-Kursen handelt es sich um CP2-CERs, welche im Rahmen des EU-ETS Verwendung finden können. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information.)

Bei Rückfragen steht Ihnen unser Händlerteam jederzeit gerne zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihre

Advantag Brokerage GmbH

 

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