CO2 – Marktbericht vom 30.11.2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

unter verständlicher Weise extremen Sicherheitsvorkehrungen startet heute der mit großen Erwartungen verbundene Weltklimagipfel der Vereinten Nationen. Das öffentliche Leben in Paris wird fast zum Erliegen kommen, wenn annähernd 150 Staats- und Regierungschefs den Gipfel eröffnen.Obama, Putin, Merkel & Co. werden dabei heute zwar keine Entscheidungen treffen, doch sie werden für die Verhandlungen in den kommenden zwei Wochen die Richtung vorgeben. Und es wird zur Eile bei den Verhandlungen gemahnt, damit es nicht, wie schon bei so manch anderem Klimagipfel, am letzten Tag oder sogar in der letzten Nacht noch zu einem Verhandlungschaos kommt.

Schon im Vorfeld haben weltweit zahlreiche Aktionen stattgefunden, bei denen Verbände, Organisationen und ganz normale Bürger ihrem Wunsch Ausdruck verliehen haben, dass dieser Tage tatsächlich ein für alle Länder verpflichtendes Abkommen, ein Weltklimavertrag, zustande kommt. Und in allen Medien wird unermüdlich darauf hingewiesen, dass wir beim Gedanken an die verheerenden Folgen des Klimawandels nicht mehr in die Zukunft blicken müssen. 2015 war das bislang wärmste Jahr seit es Wetteraufzeichnungen gibt. Überschwemmungen einerseits, Hitzewellen andererseits, sowie verheerende Stürme mit zunehmend vernichtendem Potential sind Gegenwartsprobleme – und zwar überall auf der Erde. Die „Rheinische Post“ beschrieb die Lage kürzlich mit den Worten: „Die Natur auf dem wunderbaren blauen Planeten Erde wird ihren Weg gehen. Die Frage ist nur, wie lange die Menschheit sie dabei begleitet.“

Anlass zur Sorge geben vor allem die immer noch rund 1.000 weltweit geplanten neuen Kohlekraftwerke. Doch zunehmend etabliert sich starker Widerstand gegen diese kontraproduktiven Vorhaben. Und tatsächlich: Einer Studie zufolge standen im Jahr 2010 noch fast 4.000 neue Kohlemeiler auf der Agenda. Doch rund zwei Drittel davon sind entweder auf Eis gelegt oder ganz aufgegeben worden. Allerdings darf hier nicht vergessen werden, dass gigantische Summen an Investitionen und – warum auch immer – Subventionen in der Kohleindustrie stecken. Wissenschaftler gehen davon aus, dass 80 Prozent der noch vorhandenen Kohle im Boden bleiben müssen, wenn das Zwei-Grad-Ziel überhaupt erreicht werden soll. Selbst, wenn nur die Hälfte der verbliebenen, noch geplanten neuen Kraftwerke ans Netz ginge, würde jedes CO2-Reduktionsziel vollständig pulverisiert werden.

Vom Pariser Gipfel könnte auch ein, wenn auch nur indirektes, Signal an das Europäische CO2-Handelssystem ausgehen. Neben vielen dringend erforderlichen Weichenstellungen zur Begrenzung der globalen Erwärmung sehen sehr viele Spezialisten das Erfordernis für einen weltweiten CO2-Preis. Wenn es hierzu auch noch keine Entscheidung geben wird, so geht die Tendenz doch in die Richtung eines globalen Emissionshandelssystems. Wenn dies in absehbare Nähe rücken würde, so könnte das stark bremsende Thema des Carbon Leakage endlich abgeheftet werden. Gemeint ist damit die Gefahr, dass Firmen ihren Produktionsstandort außerhalb Europas verlagern, um den Kosten der CO2-Abgaben zu entgehen und damit international wettbewerbsfähiger zu sein. Dieses Risiko für den eigenen Wirtschaftsstandort hat zu den massenhaften kostenlosen Zuteilungen an die entsprechenden Unternehmen geführt und damit die Effektivität des Systems enorm geschwächt.

In der vergangenen Woche setzte der Kurs für EUAs zwar seinen Aufwärtstrend fort, doch waren die Bullen im Markt nicht in der Lage, das bisherige Hoch bei knapp über 8,70 EUR zu knacken. In dieser Woche werden lediglich vier Auktionen stattfinden und damit dem Markt verhältnismäßig wenige frische Zertifikate zugeführt. Dieser Umstand könnte zu einer Belebung führen. Sollte dabei das Jahreshoch überwunden werden, ist der Weg in Richtung 9,00 EUR frei. Doch zuletzt bewegte sich der Preis eher an der unteren Grenze des Trendkanals, was auf eine aktuell schwächelnde Kauflust hindeutet. Die Nachfrage nach CER war in der vergangenen Woche sehr schwach und ließ den Preis dort um 10 Prozent sinken.

(Durchschnittliche Börsenkurse / OTC)
Instrument 27.11.15 20.11.15 Veränderung
EUA (Spotmarkt) 8,58 EUR 8,51 EUR +0,07 EUR
EUA (Dezember-2015-Future) 8,58 EUR 8,51 EUR +0,07 EUR
CER (Spotmarkt) 0,60 EUR 0,67 EUR -0,07 EUR
ICE Brent Crude Oil (Benchmark Future) 44,88 USD 44,48 USD +0,40 USD
EURO (Currency, Forex) 1,0593 USD 1,0641 USD -0,0048 USD

(Die durchschnittlichen Börsenkurse und OTC-Preise zeigen das jeweilige Mittel von Angebot und Nachfrage verschiedener Handelsplätze für CO2-Emissionsrechte. Bid und Ask weichen üblicherweise mehrere Cent vom Mittelwert ab. Rohöl und Euro zeigen Börsenschlusskurse. Bei den CER-Kursen handelt es sich um CP2-CERs, welche im Rahmen des EU-ETS Verwendung finden können. Unsere Marktberichte stellen keine Empfehlung zum Handel von Emissionsrechten oder deren Derivaten dar und dienen ausschließlich der Information.)

Bei Rückfragen steht Ihnen unser Händlerteam jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre

Advantag Brokerage GmbH

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